Victoria Sandwiches – Originalrezept aus dem 19. Jahrhundert

Victoria Sandwiches - Originalrezept aus dem 18. Jahrhundert für Victoria Sponge Cake | www.schninskitchen.de

Tea Time. It’s five o’clock, my Darling. Wer sich in der britischen Küche schon etwas auskennt oder vielleicht sogar britische Wurzeln oder andere Verbindungen hat, der hat ganz sicher auch schonmal vom berühmten Victoria Sponge Cake gehört. Aber wer von Euch kennt auch die feinen, kleinen Victoria Sandwiches aus dem vorletzten Jahrhundert, die mittlerweile leider recht unbekannte, aber eigentlich ursprüngliche Variante der heute so beliebten, mit Erdbeermarmelade gefüllten, Törtchen ?

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Die Tradition des englischen Afternoon Tea:

Man vermutet, eine gewisse Anna Russell, damals die Duchess von Bedford und eine gute Freundin von Queen Victoria rief damals wohl die Tradition ins Leben, ihren Tee am Nachmittag gemütlich und in geselliger Runde gemeinsam mit ihren Freunden zu genießen. Für den kleinen Hunger zwischen den eigentlichen Mahlzeiten wurden dazu feine, kleine Leckereien gereicht. Und wie es so ist: Queen Victoria (die Ururgroßmutter der aktuellen Königin Elisabeth II.) fand wirklich großen Gefallen an diesem netten Miteinander und der Rest ist quasi Geschichte.

Seitdem kennt wohl die ganze Welt die Tradition des Afternoon Tea mit leckerem Gebäck und feinen Sandwiches zum Tee. Auch meine englische Verwandtschaft ist begeisterter Verfechter dieser Tradition und wirklich pünktlich 17 Uhr gibt es jeden Tag englischen Tee, selbst gebackenen Kuchen und kleine Gurkensandwiches.

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Die Geschichte des Victoria Sponge Cake:

Bei meiner Tante Christa und Onkel Pete (aus der Grafschaft Kent) habe ich vor Jahren beim Englandbesuch dann auch meinen allerersten Victoria Sponge Cake gegessen. Die klassische, heute bekannte Version ist eine selbst gemachte Erdbeermarmelade und frisch geschlagene Sahnecreme zwischen zwei Böden feinem Vanillekuchen. Wirklich lecker, sage ich Euch, ich war gleich hin und weg. Es ist also kein Wunder, daß Queen Victoria damals eben genau diesen Kuchen am allerliebsten zu ihrem Afternoon Tea hatte, der daher dann später irgendwann auch nach ihr (um-)benannt wurde.

Das viktorianische Original, welches im 19. Jahrhundert wirklich bei Queen Victoria (sie lebte von 1819 bis 1901) auf der Kaffeetafel stand, wurde damals allerdings nur mit einer Marmelade gefüllt und die Sahne wurde höchstens extra dazu gereicht. Sahne kam damals noch nicht direkt als Füllung mit in den Kuchen. Außerdem gab es Victoria Sponge Cake bei ihr auch noch nicht als das große, runde Törtchen, das wir heute kennen, sondern der Biskuitteig wurde noch in rechteckigen Backformen bzw. tiefen Backblechen gebacken, mit der Erdbeermarmelade gefüllt und dann in handliche Streifen, nämlich die sogenannten Victoria Sandwiches, geschnitten.

Ursprünglich stammt das Rezept dieser kleinen Kuchen-Sandwiches nachweislich mindestens schon aus dem 18. Jahrhundert, wurde dann aber später im 19. Jahrhundert erst nach Queen Victoria (um-)benannt.

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Einer der allergrößten Schätze in meinem Kochbuchregal ist übrigens ein uraltes englisches Kochbuch, welches ich vor ein paar Jahren bei einem Segeltörn entlang der englischen Küste auf der Isle of Wight in einem urigen, kleinen und total vollgestopften Antiquariat entdeckt habe und hüte wie einen Schatz. Ich finde solche alten Schätzchen ja total spannend und frage mich immer, wer über all die vielen Jahre hinweg wohl schon für seine Lieben daraus gekocht und gebacken hat. Meine „Mrs. Beeton’s Cookery Book“ Ausgabe von 1905 ist jetzt (im Jahr 2019) also bereits 114 Jahre alt und die Erstauflage vom Buch muß sogar noch um einige Jahre älter sein, denn die gute Mrs. Beeton (sie gilt als die wohl berühmteste und bekannteste Kochbuchautorin Großbritanniens) segnete bereits einige Jahrzehnte vorher, nämlich im Jahr 1865 im Alter von nur 28 Jahren, das Zeitliche. Nun ja, jedenfalls stolperte ich in Mrs. Beetons feiner Sammlung traditoneller englischer Rezepte dann irgendwann über ein altes Originalrezept für Victoria Sandwiches, und zwar genau so, wie sie damals bei Königin Victoria zum Afternoon Tea serviert wurden. Versteht sich also von selbst, daß ich dieses Originalrezept dann unbedingt einmal ausprobieren mußte.

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Und so geht’s…

Victoria Sandwiches

Zutaten für etwa 20 Sandwiches:

4 Eier (M) (entspricht 240g)
240g Butter
240g Mehl
und 240g Zucker
etwas Butter und Zucker zum Fetten der Form
optional 1 Spritzer Zitronensaft
1 Glas Erdbeermarmelade (ca.230g), möglichst selbstgemacht
Puderzucker zum Bestreuen

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Zubereitung der Victoria Sandwiches:

Für die Victoria Sandwiches müsst Ihr zuerst einmal die Eier abwiegen. Das Gewicht der verwendeten Eier bestimmt dann nämlich die Menge der anderen Zutaten. So ist es auch egal, ob Ihr L- oder M-Eier nehmt, das Mengenverhältnis Eurer Zutaten stimmt hinterher trotzdem noch. Meine vier Eier (Größe M bei mir) hatten ein Gesamtgewicht von 240g, ich musste dazu also jeweils 240g Butter, Zucker und Mehl abwiegen.

Den Backofen auf 180°C Ober-/Unterhitze vorheizen und eine eckige Backform (22x22cm) buttern und mit etwas Zucker ausstreuen.

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Die Eier in einer Schüssel mit dem Handmixer schaumig rühren und kurz beiseite stellen. Dann in einer weiteren Schüssel die Butter cremig rühren. Im nächsten Schritt den Zucker zur Butter geben, das Mehl in die Rührschüssel sieben und alles gut miteinander verrühren. Zuletzt noch die zuvor schon schaumig gerührten Eier, einen Spritzer Zitronensaft und das Salz zugeben und alles zusammen etwa 5 Minuten mit dem Mixer cremig rühren.

Den Teig dann in die vorbereitete Backform geben, noch etwas glatt streichen und auf mittlerer Schiene im vorgeheizten Ofen für ca. 35 Minuten backen. Den Kuchen nach erfolgreicher Stäbchenprobe aus dem Ofen nehmen und wirklich komplett auskühlen lassen.

Das Auskühlen ist deshalb so wichtig, da Euch ansonsten beim Füllen von noch warmem Kuchen schlicht und einfach Eure Erdbeermarmelade weglaufen würde.

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Den abgekühlten Kuchen auf mittlerer Höhe waagerecht in zwei Hälften teilen. Das geht ganz prima entweder mit einem großen, langen Küchenmesser oder mit einem Tortenschneidedraht (Tortenschneider). Ich weiß, manche nutzen auch einen feinen Faden oder Zahnseide zum Zerteilen von Böden, das habe ich selber allerdings noch nie ausprobiert.

Die untere Hälfte des Kuchens nun gleichmäßig mit der Erdbeermarmelade bestreichen, die obere Hälfte wieder darauf setzen und etwas andrücken. Den Kuchen nun in etwa 18 bis 20 ungefähr fingerdicke, 10cm lange Streifen schneiden.

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Servieren:

Die fertigen Victoria Sandwiches erst kurz vor der Tea Time oder dem Kaffeekränzchen mit Puderzucker bestäuben und zum Servieren wie auf den Fotos zu einem kleinen Turm stapeln. Es soll so aussehen wie essbares Jenga aus Kuchenstreifen sozusagen. Die Victoria Sandwiches nach Vorliebe noch mit geschlagener Sahne, etwas Cream Double oder stilecht mit etwas Clotted Cream servieren.

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Noch ein Tip zur Backzeit:

Je nachdem wie schwer Eure Eier sind und weil sich die Gesamtmenge der Zutaten dadurch variiert, ändert sich gegebenenfalls auch die benötigte Backzeit etwas.

Genauso hängt die Backzeit natürlich außerdem auch noch davon ab, welche Backform genau Ihr nutzt. Wie groß auch immer die im Rezept geforderte klassische Yorkshire-Pudding-Form im Jahr 1905 war (ich konnte darüber nicht wirklich eine handfeste und verlässliche Information finden), meine Form hatte die Maße 22 x 22 cm und ich habe den fertigen Kuchen einmal waagerecht zerteilt, ihn dann gefüllt und wieder zusammengesetzt.

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Habt Ihr vielleicht eine entsprechend größere, rechteckige Backform, backt Euer Boden auch entsprechend schneller durch, ist flacher und muß vielleicht auch nicht mehr waagerecht geteilt werden. Dann schneidet Ihr ihn wie im Originalrezept nur (vertikal) einmal durch, bestreicht die eine Hälfte mit Erdbeermarmelade und setzt dann die andere Hälfte darauf. Die benötigten Backzeiten müßt Ihr dann auch entsprechend anpassen, wenn Eure Backform andere Maße als meine hat.

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Das alte Originalrezept, wie es im Buch steht:

„Ingredients.- 4 eggs; their weight in pounded sugar, butter, and flour; 1/4 saltspoonful salt, a layer of any kind of jam or marmalade.

Mode.- Beat the butter to a cream; dredge in the flour and pounded sugar; stir well together, and add the eggs, previously well whisked. When the mixture has been beaten about 10 minutes, butter a Yorkshire-pudding tin, pour in the batter, and bake in a moderate oven for 20 minutes. Let it cool, spread one-half of the cake with a layer of preserve, place over it the other half, press the pieces together, and then cut into finger-pieces; pile these in cross-bars on a glass dish, and serve.

Time, 20 minutes. Average cost, 1s.4d. Sufficient for 5 or 6 persons.“

aus: „Mrs. Beeton’s Cookery Book“
Autorin: Mrs. Isabella Beeton (1836-1865)
Neuauflage von 1905

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Dieses feine Gebäck, welches seinen Namen der Begründerin des Afternoon Tea damals vor sooo vielen Jahren zu verdanken hat, stelle ich nun gerne mit auf den schon hübsch gedeckten Kaffeetisch zum Blogevent „Gebäck zum Afternoon Tea“ von der lieben Zorra vom Kochtopf, die damit ihren 15. Bloggeburtstag feiert.

Liebe Zorra, alles, alles Liebe zu Deinem 15. Jahrestag und ich hoffe sehr, Du hast auf Deiner Teetafel noch ein Plätzchen frei für meine Victoria Sandwiches und ich bin schon gespannt, was Du sonst noch so für Leckereien von Deinen anderen Gästen mitgebracht bekommst.

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Victoria Sandwiches, wie man sie in den USA kennt:

Falls Ihr vielleicht doch eher in der amerikanischen als in der englischen Küche Zuhause seid, Euch die Victoria Sandwiches aber trotzdem irgendwie bekannt vorkommen, in den USA kennt man sie natürlich auch, dort allerdings eher als Cake Strips oder Magic Strips.

Und falls Ihr jetzt schon ganz neugierig seid, welche leckeren Rezepte ich von meiner Familie in England noch so mitgebracht habe, vielleicht gefällt Euch auch meine moderne Schokoladenversion vom Victoria Sponge Cake, nämlich mein Victoria Sponge Chocolate Cake, vielleicht auch Onkel Pete’s saftiger Grandma’s Chocolate Chip and Banana Loaf (Schoko-Bananen-Kuchen) oder vielleicht auch meine Teetassen-Shortbread-Cookies mit Lemon Curd und Marmeladenfüllung.

 

Viel Spaß beim Backen und Stapeln der Küchlein und laßt es Euch schmecken.

Alles Liebe, Schnin  ♡

 

Blog-Event CLVI - Gebäck zum Afternoon Tea zum 15. Blog-Geburtstag (Einsendeschluss 15. September 2019)

 

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5 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Blog-Event CLVI – Gebäck zum Afternoon Tea zum 15. Blog-Geburtstag in Kooperation mit Kenwood – Das Buffet ist eröffnet! – 1x umrühren bitte aka kochtopf

  2. Ich bin begeistert! Den Victoria Sponge Cake kenne ich und habe auch ein Rezept auf dem Blog, aber die Geschichte mit den Sandwiches und wer den Afternoon Tea evtl. erfunden hat, war mir so nicht bekannt. Klasse, dass Du das recherchiert hast und mit uns teilst! Das Buch ist ja auch obercool – solche Schätze sind der Hammer!

    Ich bin ab und zu nahe Coburg in Rosenau, wo Queen Victorias geliebter Ehemann Albert her kam; da war kürzlich Jubiläum, da er vor 200 Jahren dort geboren wurde (ich hab‘ da was auf Instagram). Sie war angeblich auch sehr gerne dort; es gibt heute noch zwei schwarze Schwäne in Erinnerung daran. Leider fand ich das Café dort nicht so super – die sollten sich an unserem Afternoon Tea ein Beispiel nehmen. :-)

    • Du hast natürlich Recht und Queen Victoria lebte im 19. Jahrhundert.
      Das ursprüngliche Rezept stammt aber schon mindestens aus dem 18. Jahrhundert und wurde dann erst später nach Queen Victoria (um-)benannt. Ich hatte auch nur geschrieben, dass das Rezept aus diesem Jahrhundert stammt, aber scheinbar konnte man das auch missverstehen. Ich habe es im Text jetzt nochmal etwas umformuliert, damit es ganz eindeutig ist.
      Vielen Dank für Deinen Hinweis, dass man es auch anders lesen könnte.

      Liebe Grüße
      Schnin

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