Victoria Sandwiches – Originalrezept aus dem 18. Jahrhundert

Victoria Sandwiches - Originalrezept aus dem 18. Jahrhundert für Victoria Sponge Cake | www.schninskitchen.de

Wer sich in der britischen Küche etwas auskennt, der hat bestimmt schonmal vom Victoria Sponge Cake gehört, aber wer von Euch kennt Victoria Sandwiches aus dem 18. Jahrhundert, die ursprüngliche Variante der heute so beliebten Törtchen?

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Tradition des Afternoon Tea:

Anna Russell, die Duchess von Bedford und gute Freundin von Queen Victoria rief damals wohl die Tradition ins Leben, ihren Tee am Nachmittag gemeinsam mit ihren Freunden zu genießen. Für den kleinen Hunger zwischen den eigentlichen Mahlzeiten wurden dazu feine Leckereien gereicht. Queen Victoria (Ururgroßmutter der aktuellen Königin Elisabeth II.) mochte dieses nette Miteinander und der Rest ist Geschichte.

Seitdem kennt die Welt die Tradition des Afternoon Tea mit leckerem Gebäck und feinen Sandwiches zum Tee. Auch meine englische Verwandschaft ist begeisterter Verfechter der Tradition und wirklich pünktlich 17Uhr gibt es Tee und selbst gebackenen Kuchen.

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Geschichte des Victoria Sponge Cake:

Bei Tante Christa und Onkel Pete habe ich vor Jahren auch meinen allerersten Victoria Sponge Cake gegessen. Die klassische heutige Version ist selbst gemachte Erdbeermarmelade und geschlagene Sahnecreme zwischen zwei Böden Vanillekuchen. Lecker, sage ich Euch. Kein Wunder, daß Queen Victoria diesen Kuchen am allerliebsten zu ihrem Afternoon Tea hatte, der daher auch nach ihr benannt wurde.

Das viktorianische Original, welches im 18. Jahrhundert wirklich bei Queen Victoria auf der Kaffeetafel stand, wurde damals allerdings nur mit der Marmelade gefüllt und die Sahne höchstens extra dazu gereicht. Außerdem gab es bei ihr noch nicht das große, runde Törtchen, sondern der Bisquit wurde in rechteckigen Backformen gebacken, mit der Marmelade gefüllt und dann in handliche Streifen, die sogenannten Victoria Sandwiches, geschnitten.

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Einer der größten Schätze in meinem Kochbuchregal ist übrigens ein uraltes englisches Kochbuch, das ich vor ein paar Jahren mal auf der Isle of Wight in einem kleinen Antiquariat entdeckt habe. Meine „Mrs. Beeton’s Cookery Book“ Ausgabe von 1905 ist jetzt also bereits 114 Jahre alt und die Erstauflage noch um einige Jahre älter, denn die gute Mrs. Beeton segnete bereits im Jahr 1865 das Zeitliche. Nun ja, jedenfalls stolperte ich in Mrs. Beetons feiner Sammlung traditoneller englischer Rezepte dann über ein Originalrezept für Victoria Sandwiches, genau so, wie sie damals bei Königin Victoria zum Afternoon Tea serviert wurden. Klar, daß ich dieses Originalrezept unbedingt mal ausprobieren mußte.

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Und so geht’s…

Victoria Sandwiches

Zutaten für etwa 20 Sandwiches:

4 Eier (M) (entspricht 240g)
240g Butter
240g Mehl
und 240g Zucker
etwas Butter und Zucker zum Fetten der Form
optional 1 Spritzer Zitronensaft
1 Glas Erdbeermarmelade (ca.230g), möglichst selbstgemacht
Puderzucker

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Zubereitung der Victoria Sandwiches:

Für die Victoria Sandwiches zuerst einmal die Eier abwiegen. Das Gewicht der Eier bestimmt nämlich die Menge der anderen Zutaten. So ist es auch egal, ob Ihr L- oder M-Eier nehmt, das Mengenverhältnis Eurer Zutaten stimmt hinterher trotzdem. Meine vier Eier hatten ein Gesamtgewicht von 240g, also jeweils 240g Butter, Zucker und Mehl abwiegen.

Den Backofen auf 180°C Ober-/Unterhitze vorheizen und 1 eckige Backform (22x22cm) buttern und mit Zucker ausstreuen.

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Die Eier in einer Schüssel mit dem Mixer schaumig rühren und kurz beiseite stellen. In einer weiteren Schüssel die Butter cremig rühren. Im nächsten Schritt den Zucker zur Butter geben, das Mehl in die Rührschüssel sieben und alles gut verrühren. Zuletzt die zuvor schon schaumig gerührten Eier einen Spritzer Zitronensaft und das Salz zugeben und alles 5 Minuten mit dem Mixer cremig rühren.

Den Teig in die vorbereitete Backform geben, glatt streichen und auf mittlerer Schiene im vorgeheizten Ofen ca. 35 Minuten backen. Den Kuchen nach erfolgreicher Stäbchenprobe aus dem Ofen nehmen und komplett auskühlen lassen.

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Den abgekühlten Kuchen auf mittlerer Höhe horizontal in zwei Hälften teilen. Die untere Hälfte gleichmäßig mit der Erdbeermarmelade bestreichen, die obere Hälfte wieder darauf setzen und etwas andrücken. Den Kuchen nun in 18-20 etwa fingerdicke, 10cm lange Streifen schneiden.

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Servieren:

Die fertigen Victoria Sandwiches mit Puderzucker bestäuben und zum Servieren wie auf den Fotos zu einem Turm stapeln. Wie eßbares Jenga aus Kuchenstreifen sozusagen. Die Victoria Sandwiches nach Vorliebe mit geschlagener Sahne, etwas Cream Double oder Clotted Cream servieren.

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Tip zur Backzeit:

Je nachdem wie schwer Eure Eier sind und die Gesamtmenge der Zutaten dadurch variiert, ändert sich gegebenenfalls die Backzeit etwas.

Genauso hängt die Backzeit natürlich auch davon ab, welche Backform Ihr nutzt. Wie groß auch immer die klassische Yorkshire-Pudding-Form im Jahr 1905 war, meine Form hatte die Maße 22x22cm und ich habe den fertigen Kuchen einmal waagerecht zerteilt, gefüllt und wieder zusammengesetzt.

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Habt Ihr eine entsprechend größere, rechteckige Backform, backt Euer Boden entsprechend schneller durch, ist flacher und muß nicht mehr geteilt werden. Dann schneidet Ihr ihn, wie im Originalrezept, (vertikal) einmal durch, bestreicht die eine Hälfte mit Marmelade und setzt die andere Hälfte darauf. Backzeiten müßt Ihr dann entsprechend anpassen, wenn Eure Backform andere Maße hat.

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Originalrezept:

„Ingredients.- 4 eggs; their weight in pounded sugar, butter, and flour; 1/4 saltspoonful salt, a layer of any kind of jam or marmalade.

Mode.- Beat the butter to a cream; dredge in the flour and pounded sugar; stir well together, and add the eggs, previously well whisked. When the mixture has been beaten about 10 minutes, butter a Yorkshire-pudding tin, pour in the batter, and bake in a moderate oven for 20 minutes. Let it cool, spread one-half of the cake with a layer of preserve, place over it the other half, press the pieces together, and then cut into finger-pieces; pile these in cross-bars on a glass dish, and serve.

Time, 20 minutes. Average cost, 1s.4d. Sufficient for 5 or 6 persons.“

aus: „Mrs. Beeton’s Cookery Book“
Autorin: Mrs. Isabella Beeton (1836-1865)
Neuauflage von 1905

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Dieses feine Gebäck, welches seinen Namen der Begründerin des Afternoon Tea damals vor sooo vielen Jahren zu verdanken hat, stelle ich gerne mit auf den Kaffeetisch zum Blogevent „Gebäck zum Afternoon Tea“ von Zorra vom Kochtopf, die damit ihren 15. Bloggeburtstag feiert.

Liebe Zorra, alles Liebe zum Jahrestag und ich hoffe, Du hast auf Deiner Teetafel noch ein Plätzchen frei für meine Victoria Sandwiches.

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Victoria Sandwiches in den USA:

Falls Ihr eher in der amerikanischen, als in der englischen Küche Zuhause seid, Euch die Victoria Sandwiches aber trotzdem bekannt vorkommen, in den USA kennt man sie auch, nämlich als Cake Strips oder Magic Strips.

Und falls Ihr jetzt neugierig seid, welche leckeren Rezepte ich von meiner Familie in England noch so mitgebracht habe, vielleicht gefällt Euch auch meine moderne Schokoversion Victoria Sponge Chocolate Cake, der saftige Grandma’s Chocolate Chip and Banana Loaf (Schoko-Bananen-Kuchen) oder vielleicht meine Teetassen-Shortbread-Cookies mit Lemon Curd und Marmeladenfüllung.

 

Viel Spaß beim Backen und Stapeln und laßt es Euch schmecken.

Alles Liebe, Schnin  ♡

 

Blog-Event CLVI - Gebäck zum Afternoon Tea zum 15. Blog-Geburtstag (Einsendeschluss 15. September 2019)

 

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3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Blog-Event CLVI – Gebäck zum Afternoon Tea zum 15. Blog-Geburtstag in Kooperation mit Kenwood – Das Buffet ist eröffnet! – 1x umrühren bitte aka kochtopf

  2. Ich bin begeistert! Den Victoria Sponge Cake kenne ich und habe auch ein Rezept auf dem Blog, aber die Geschichte mit den Sandwiches und wer den Afternoon Tea evtl. erfunden hat, war mir so nicht bekannt. Klasse, dass Du das recherchiert hast und mit uns teilst! Das Buch ist ja auch obercool – solche Schätze sind der Hammer!

    Ich bin ab und zu nahe Coburg in Rosenau, wo Queen Victorias geliebter Ehemann Albert her kam; da war kürzlich Jubiläum, da er vor 200 Jahren dort geboren wurde (ich hab‘ da was auf Instagram). Sie war angeblich auch sehr gerne dort; es gibt heute noch zwei schwarze Schwäne in Erinnerung daran. Leider fand ich das Café dort nicht so super – die sollten sich an unserem Afternoon Tea ein Beispiel nehmen. :-)

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